25.Juli 2002

Laut gedacht

ist ja eigentlich alles hier. Aber weil das mit der Bedeutung so gut geklappt hat, auch wenn ich darüber schon über ein Jahr laut denke, ein neues Thema. Das Dumme ist nur, ich kanns mir aussuchen. Angefangen hat es mit einem Beitrag zu Selbstbildern, den ich so oder so ähnlich auch an eine Liste geschickt hatte. Das war schon gut, aber nur ein Anfang. Nun soll ich aber dazu was schreiben. Und wenn mich das nicht mehr interessiert, dann eben zu was anderem. Witzig. Das klingt ja wie ein tolles Angebot - ist es aber gerade nicht. Am liebsten schreibe ich Sachen, wenn sie mich gerade voll beschäftigen oder wenn ich mit ihnen abgeschlossen habe, mit ihnen einig bin. Bis vor ein paar Tagen war ich mir über die Selbstbilder gar nicht einig, und ich war drauf und dran, als Notlösung, weil ich es eben versprochen hatte und nochmal bestätigt, was über Erleuchtung zu schreiben. So Richtung: All die Personal Power Techniken blablabla. Erleuchtung ist immer gut, heutzutage, wo die Kirchen nicht mehr mainstream sind. (Nur, daß keiner weiß, was es eigentlich ist - es scheint zumindest verschiedenen Formen zu geben, so pi mal daumen, anhand der Seinsbeschreibungen von Heiligen oder Neuzeiterleuchteten.) Aber nun kristallisiert sich was heraus, mit dem ich einig bin. Und am Ende hab ich etwas, zum Beispiel einen perfekten Eintopf, Zusammenspiel aller Zutaten, Gewürze - eigentlich ist dann Zeit zum Essen - und ich soll daraus dann einen Artikel machen, daß die Zubereitung und der Geschmack und die Einzigartigkeit verständlich wird.

Was hab ich denn in meiner Küche:
- Haltungen können unbewußt sein
- mit mentalen Techniken bekommt man diese Haltungen nicht verändert (nur eine Vermutung - das werd ich aber so schreiben müssen ohne es überprüfen zu können - oder wen kann ich fragen)
- Den Rahmen, gelesen bei Grochowiak, den er behandelt wie die Bedeutung, und dem er, ganz bin ich noch nicht fertig mit "Der leichte Tanz", eine Notwendigkeit zuschreibt.
- den methodologischen Solipsismus, dem auch das NLP anhängt
- den ausgelutschten Basissatz: "Die Landkarte ist nicht das Gebiet" - wobei sich alle Parteien über die Grenzen der Frage hinweg, ob es das Gebiet gibt, ob wir uns ihm annähern können oder in welchem Grade wir es selbst erfinden im methodologischen Solipsismus einig sind - die Landkarte ist im jeweils eigenen Kopf (auch wenn sie die Genese der Landkarte, wie Grochowiak, in die Interaktion legen)
- erzeugt das Gefühl den Gedanken oder der Gedanke das Gefühl? Da hab ich jetzt eine dezidierte Meinung zu - aber ebend nur eine Meinung
- Das Gefühl auf jeden Fall ist der Indikator! nicht der Gedanke - der Gedanke ist aber der Ansatzpunkt zur Veränderung. (Er erzeugt das Gefühl nicht originär - also nicht naturgesetzlich - aber hierzulande dieserzeit bei jedem)
- Rückwirkend kann jeder Gefühlszustand (also Körperzustand) als Anker für einen Gedanken dienen. So kann sich ein Zustand selber aufrechterhalten.
- Das ist sehr schwer zu überprüfen - dann die nötige Annahme dafür ist dieses hübsche Konstrukt des "Unbewußten". Auch unbewußte Gedanken wirken. Auch unbemerkte Zustände ankern.
- und immerhin, was ist ein unbewußter Gedanke? Eine grausame Sache, sie drucken zu lassen - und doch, und doch - mit ihnen schließt sich der Kreis.
- und vor allem, er läßt sich damit auch durchbrechen, so gewünscht, falls er ein Teufelskreis ist.
- jetzt fehlt eigentlich nur noch der Zauberspruch: AkraLeuchtendRosaBlitz - der die unbewußten Gedanken bewußt macht - wenn ich den hätte, wär ich reich. Stell ich mir ganz nett vor, so zwei Tage in der Woche mit einem rosa blitzenden Zauberstab am Rhein zu stehen und Gedanken bewußt zu machen. Rhein muß sein. Nahe tuts auch, dienstags. Wieso war ich eigentlich noch nie an der Mainmündung. Wo ist die überhaupt?
- 80% der Sprachen haben kein Wort für Bewußtsein. Da gibt es nun viele Deutungsmöglichkeiten. Vielleicht haben wir auch kein Wort für Bewußtsein? Diese Zutat kommt nicht in den Eintopf.
- die logischen Level nach Dilts - muß ich auch was drüber lesen. Ich glaube, sie erklären nichts.

Also, was will ich sagen, wenn ich es geschmackvoll zusammenbekomme?
Gefühlszustände sind in erster Linie Körperzustände. Jeder Gefühlszustand IST ein Körperzustand. Ohne einen bestimmten Körperzustand kann es einen Gefühlszustand nicht geben. Die Gefühlszustände "haben" keine Bedeutung. So wenig wie Worte Bedeutung haben. Ein Wort ist in erster Linie eine Lautfolge. Jedes Wort ist eine Lautfolge (da isses schon schwieriger, weil wir sie ja auch schreiben können). Ohne eine Lautfolge kann es kein Wort geben. Die Worte "haben" keine Bedeutung - es wäre durchaus möglich, daß wir das was wir heute mit "Katze" verbinden auch mit "Kazte" verbänden. Die Bedeutung der Worte wird erworben. Das, was wir damit verbinden (die Bedeutung, was immer das ist) ändert sich nicht durch die Veränderung der Lautfolge (behaupte ich mal). Gefühlszustände (im Sinne von Körperzuständen) haben keine Bedeutung. Die Bedeutung der Gefühlszustände ist erworben. Jetzt kommt mir bestimmt gleich jemand mit der heißen Herdplatte und dem Schmerz und dem Hand wegziehen. Oder mit Lust. Oder mit Hunger. Das ist erst mal ein Reflex, bzw ein Trieb, bzw ein Bedürfnis. Und ich behaupte jetzt mal knallhart, es könnte auch anders sein. Also - jemand könnte es supertoll finden, die jeweils verheilte Hand auf die Herdplatte abzustützen oder jemand könnte Hunger genießen und Sex verabscheuen. Gibt es ja alles. Solche Leute bezeichnen wir als pervers oder krank oder neurotisch. Es gibt keine gesetzmäßige Verbindung eines Körperzustandes mit einem jeweiligen "Fühlen" (was jetzt nicht das körperliche Fühlen meint). Die beiden sind strikt zu trennen. Sie gehören nicht naturgesetzmäßig zusammen. Es gibt keine naturgesetzliche Verbindung mit dem Wort "Katze" und einer Katze und auch nicht mit unserer "Landkarte" von einer Katze, ebensowenig gibt es eine naturgesetzliche Verbindung mit dem Körperzustand, den jemand hat, wenn er/sie Ekel empfindet und dem "Ekel". Das gefällt mir nicht, dennoch, siehe nächster Absatz. Die Andersartigkeit der Perversen und Neurotiker ist sozial, eine Sozialisationsstörung, wenn sie eine körperliche Ursache hat, dann als körperliche Ursache einer Störung der Fähigkeit zur Sozialisation. Darf man sich auf einem Gebiet, auf dem man nur Introspektionsexpertin ist, so weit aus dem Fenster lehnen?

Die ersten Tage huschen über das Gesicht eines Neugeborenen die allerverschiedensten emotionalen Ausdrücke. Nicht oft, doch ein paar Mal konnte ich es bei meinen beiden Töchtern beobachten, jeweils so eine Minute - das dauert nicht lange an. Das sieht total cool aus. Da wechselt sich Verschmitztheit mit Mißtrauen mit Lachen mit Anlächeln mit Ekel mit Zorn ... völlig unzusammenhängend huschen die Ausdrücke über das Gesicht. Und das sieht deshalb so witzig aus, weil man gar nicht den Eindruck hat, der Winzling sei davon in irgendeiner Weise beeindruckt. Das Gesicht ist wie eine Leinwand, der die Handlung von dem Film egal ist.

Alle Menschen haben den gleichen Gesichtsausdruck, weltweit, wenn sie Ekel empfinden. Auch bei Zorn und noch einigen Basisemotionen ist das so. Da gehört allerhöchstwahrscheinlich Körperlicher Zustand und Emotion naturgesetzlich zusammen. Aber WAS ist das, was sie empfinden und was diese Neugeborenen nicht empfinden. (I am sure, sie empfanden nichts, und meine Kinderärztin hat das auch behauptet - es bedeutet nichts! sagte sie). Das, WAS es ist, ist das, von dem ich behaupte, daß es nicht naturgesetzlich mit der Emotion&dem Körperzustand verbunden ist. Das ist das, was ich als "Bedeutung" des Gefühls bezeichne. Also auf jeden Fall, meine ich, das selbst wenn weltweit alle Menschen auf Eiter mit Ekel reagieren, daß diese Verbindung nicht naturgesetzlich ist, sondern erworben - wohingegen der Gesichtsausdruck von Ekel naturgesetzlich mit Ekel verbunden ist. (Was soll das eigentlich bedeuten? Wo ist da noch ein Unterschied? Was ist dieser naturgesetzliche Ekel mit dem der Gesichtsausdruck verbunden ist? ) Und noch etwas ist nicht naturgesetzlich - ebend dieses WAS. Das hier ist ja nur laut gedacht, für den Artikel muß ich das klarer herausarbeiten.

Das ist ein Teil der zugrundeliegenden Theorie. Meiner Theorie. Sie widerspricht nichts, was ich weiß oder erlebt habe. Jetzt kommt der zweite Teil dieser Theorie:

Vorraussetzung dafür ist, wie oben vielleicht nicht so deutlich gesagt, daß Gefühlszustände mit einer (individuell sozial erworbenen) Bedeutung verbunden sind. (Ich merk schon, das geht auch in Richtung Erleuchtung). Wenn wir jemand, der z.B. bedrückt ist, über die Schulden, die er/sie hat sagen, er/sie könne das auch unbelastet erleben - wird er/sie sich sehr sicher sein, daß wir irren. Schulden sind nichts schönes, wird er/sie sagen. Er/sie weiß das so genau, wie ich weiß, daß "anachronistisch" "nicht zeitgemäß" bedeutet. Noch viel schlimmer wird es, wenn wir jemand der/die um eineN geliebteN ToteN trauert, das gleiche sagen. Damit fallen wir mit Sicherheit aus der sozialen Gemeinschaft raus. Wir sind dann Unmenschen. Aber es ist wahr. Ebenso wahr ist allerdings, daß das Glück von jemanden, der/die happy ist, weil er/sie eineN neueN LiebsteN gefunden hat, oder im Lotto gewonnen hat nicht notwendig mit dem/der Liebsten oder dem Gewinn verknüpft ist. Er/sie könnte darüber auch traurig sein.

Ein andermal weiter, jetzt will ich arbeiten.


 

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Monika Fürch alias Oskopia Kaleid, 2002