25.April 2002

Kurze Gedanken

Eigentlich ist ja noch Mittwoch. Doch die letzte Seite ist abgeschlossen.

Mein nächstes Softwareprojekt heißt "TemplateGenerator" *kicher*.

Das mit dem Bindungsspiel ist richtig beschrieben - es zu verallgemeinern ist verkehrt, es generell abzulehnen auch. Es muß eine ganz spezielle Komponente da drin geben, die mich persönlich stört und die andere Leute vielleicht gar nicht haben. Nicht die ganze Sendung zurückgehen lassen, wegen einem verkommenen Teil. Sendung ist auch ein schöner Teekessel.

Es interessiert mich nur, weil es mich betrifft. Die ganze dumme Philosophie. Das ist nicht gut. Wie kann einen etwas interessieren, was einen nicht betrifft? Hat Kant sein ganzes Schreiben betroffen? Es gibt ganz wenig Menschen, die es nicht betrifft, was sie tun. U.G. Krishnamurti zum Beispiel - und er ist auch noch ein sehr gutes Beispiel, weil er nicht Anlaß gibt zu Vermutungen, von wegen Sekte oder Selbstbewußtsein aufpolieren. Er macht nicht viel, und schon gar nicht für andere. Und so ein Mensch will ich sein. Jemand, die es nicht betrifft, was sie tut. Jemand, die es nicht betrifft, was sie erlebt. Selbstreflektion ist ein Fluch. Sie ist eine bittere Medizin, die manchmal heilt. Doch sie kann selbst die chronische Krankheit werden.

Mist, mein Outlook spinnt - gerade ne Mail gekriegt (gebimmelt), aber sie ist nicht da.

Ein Kind im Laden gesehen, unter zwei. Daran gedacht, daß es mich jetzt sieht, aber wenn ich weg bin, kann es sich nicht mehr an mich erinnern. Das ist aber Blödsinn. Wenn ich der Lerninhalt bin, kann es sich sehr wohl an mich erinnern. Nur nicht, daß es mich im Laden gelernt hat. Wie differenziert es Lernkontext und Lerninhalt? Man soll eben nicht alles glauben. Na gut, anhand von "neu" vielleicht.

Ich mein, die Konzepte der Modellbildung interessieren mich auch. Und die betreffen mich auch. Und die Theologie des freien Willens hat mich auch interessier - und auch betroffen. Und wenn ich Jura lieben würde, und es beträfe mich nicht inhaltlich, dann wohl, weil ich gut Regeln interpretieren könnte oder gerne plädierte oder sonst was, was mit der Tätigkeit zusammenhängt. Man muß sich einfach wohl fühlen, das ist alles.

Er ist wirklich. Toll oder vielleicht. Der U.G. Krishnamurti.

Entspannte Schultern, seit undenklicher Zeit zum ersten Mal entspannt. Ein entspannter Mensch wäre entsetzt über die physische Spannung, würden wir plötzlich Körper tauschen. Und ich bin so erleichtert. Müde. Gedanken können was ändern.

Tabubruch

Wenn man mir einen Zeichenblock mit Stiften, ein Puzzle (oder von mir aus auch Scrabble oder Schach), einen Roller (oder einen Ball) und Lego hinlegt, und dann sagt, eines müßt ich wählen und so was müßt ich mein Leben lang tun - ich würd Lego nehmen und mir einen Roller baun. Da hab ich genau das richtige gelernt, ohne zu wissen, daß. Ich werd aufhören, es kost zuviel Zeit. Jetzt muß ich mal reich werden. Vielleicht mach ich noch die Zwischenprüfung? Einfach, damit nix verloren ist? Hab jetzt Informatik noch als zweites Hauptfach gewählt, die erste Minute bei denen - und ich fühle mich zu Hause. Die Techniker sind einfach normal. Die haben kein Bedeutungsproblem. Keines, das ihnen was bedeutet.

Ach ja, Gründe. Warum man was tut. Ich hab doch geschrieben, ich mach etwas, was sich mit seelischem Striptease beschreiben läßt, weil es hilft. Nun, so ist das mit den Gründen. Ich hab noch viele andere. Die waren mir vor ein paar Tagen nur nicht so präsent. Ein ganz wichtiger ist, daß ich die Einrichtung "seelischer Striptease" und vor allem, auf was sie gründet, für glücklichkeitshemmend halte. Daß man ein "Innerstes" hat, das man nicht kommunizieren darf, höchstens in allerintimsten Beziehungen, voller Sicherheit und voller Vertrauen, das IST der Grund, daß man sich schützen muß. Was für ein Unfug das ist, sieht man ja schon, das die Leute verschiedene Dinge als "intim" kategorisieren. EineR würde sich lieber die Zunge abbeißen, anstatt zu sagen, daß er/sie sich häßlich findet - weil für ihn das das größte Problem ist. Andere Leute schimpfen ganz offen und unbeschwert "Mei, was bin ich heut wieder häßlich!". Mit allem ist das so. Klar, es gibt ein paar Sachen, die sagen die meisten Leut net laut, wie z.B. "ich begehre", oder "hab mich lieb" - aber die sind trotzdem das gleiche. Es wär kein Problem, wenn es die Sachen gar nicht gäbe und drum redet keiner drüber. Ich kann mir nämlich durchaus vorstellen, daß es möglich ist, eine Gesellschaft zu haben, wo es "begehren", oder "lieb gehabt werden wollen" nicht GIBT. Das biologische Begehren schon, aber den Schmodder drumherum nicht. Vielleicht sogar kein Wort dafür. So wie wir ja kein Verb dafür haben, wenn wir das Bedürfnis haben, aufs Clo zu gehen. Für die diversen Tätigkeit dort dann schon, doch für den Drang, sie auszuführen, haben wir kein Verb und nur für eine der Tätigkeiten ein Substantiv, Harndrang - wer sagt das aber, außer Medizinern in Werken für das Volk. Es ist aber ein Problem, weil es sie gibt und weil sie mit "intim" etikettiert sind. SuperKleber für Beziehungen. Auf jeden Fall ist das ein Grund, warum ich solche Sachen auch öffentlich schreibe und auch schon seit längerem tue, in Listen und so - weil es was anderes ist, ob einE Psychologe/In in einem Buch "Das innere Kind" oder so, schreibt: "Wir alle haben eine kindliche Sehnsucht in uns, blablabla ...und scheuen uns, blablabla" - das ist dann entfremdet - oder wenn ein Mensch mit so einem inneren Kind also schreibt: Ich sehne mich kindlich, blablabla - das mit dem scheuen kann ich ja dann weglassen - das löst dann Dinge, bei anderen, nicht nur bei mir, bei den anderen nämlich, die sich disbezüglich scheuen, bewirkt das was. Entweder ganz riesengroße Empörung: "Das tut man doch nicht!", bis hin zu Erleichterung: "Ihr geht es ähnlich wie mir, sie sagt es und lebt noch immer." Und alles dazwischen und verschiedene Verästelungen. Das mit dem "kindlich" in "ich sehne mich kindlich", laße ich in meinen besten Momenten auch noch weg *ggg*. Das sind meiner Meinung nach die Dinge, die die Welt verändern. Dinge, die Bedeutung verändern, verändern die Welt.

Und man muß sie TUN! Reden über ist probetun. Wenigstens bezüglich Bedeutung. Ich weiß, daß es nicht stimmt, es verändert auch irgendwas, aber ich glaube, reden über verändert eher die Beziehung der Redenden als die Bedeutung dessen, worüber geredet wird. Das schon auch, aber lange nicht so intensiv wie direktes reden. .

Ich switche so hin und her, ob ich es machen soll, so radikal oder nicht. Grad bin ich wieder dafür: Ja.

Und dann die Taschenlampe, das Ausgeleuchtete im Gehirn. Und immer wieder die Frage, wie kann es Gründe aus der Vergangenheit im Gehirn geben, wenn es ein Netz ist. Wenn es keinen Datenspeicher in dem Sinne hat. Wenn es immer so ist, wie es grade ist. Es kann einfach nicht sein, daß weil meine Mamma vor 40 Jahren irgendwas gemacht hat, ich heute irgendwas mache. Die reduktionistische Erklärung muß auf den aktuellen Gehirnzustand referrieren und nur mit dem funktionieren. Drum ist der SwampMan auch, obwohl er kein zulässiges Gegenbeispiel gegen den Funktionalismus ist, da gehe ich nicht von ab, dennoch ein Gegenbeispiel dafür, daß der Funktionalismus eine reduktionistische Erklärung wäre. Laut dem Funktionalismus kann es den SwampMan nicht geben - und drum darf man nicht sagen, der Funktionalismus wäre falsch, denn es könnte kontrafaktisch einen SwampMan geben. Man darf es nicht sagen als Argument gegen den Funktionalismus, der ja nun gerade eine Theorie des Faktischen ist. Aber egal, was reg ich mich auf. Nicht meine Spiele.
Die Taschenlampe also. Die anderen Gründe, auch welche, die ich nicht aufschreibe, waren auch vor ein paar Tagen da - sie waren nur nicht ausgeleuchtet. Oder sie waren grade in dem Moment nicht da. Woher weiß man, man selbst, ob etwas grade im Kopf ist und nur nicht ausgeleuchtet (also in irgendeiner Form unbewußt, und von mir aus von den Psychologen bei passender Thematik als "verdrängt" zu bezeichnen) oder ob etwas grade gar nicht im Kopf ist. Ist etwas, was grade gar nicht im Kopf ist, aber im nächsten Netzzustand im Kopf sein wird, was ist das? Wie ähnlich sind sich Netzzustände? Schon wieder die Objektgrenzen. Das glaub ich will ich gar nicht wissen. Aber ich glaube, man kann gar nicht wissen, man selbst, ob man grade was nur nicht ausleuchtet oder überhaupt nicht denkt. Und das, was man nicht ausleuchtet, aber doch denkt, wirkt auch. Freudsche Versprecher, körperliche Haltung, Vermeidungsverhalten, man vermeidet was und weiß nicht warum, usw. Und wenn es einem bewußt wird, werden das plötzlich Objekte und Gründe. Naja. Hinfort mit ihr - der Bedeutung! Und daß ich sie ganz erwische - aaaah! Moment. Spekulationsstufe 3: Vielleicht gibt es sie nur im Ausgeleuchteten. Wird jetzt mit der Analysemaschine unausgeleuchtet abgearbeitet. Grobgetestet.

Ich hab das schon mal gemacht, mit dem seelischen Striptease, in einer Mailingliste von 200 Leuten. Auch damals schon voll bewußt, als Bedeutungskur. Die war aber härter - ich bin fast verrückt geworden. Aber das Ergebnis war prima! Und dann hatte es noch ein anderes Ergebnis, ich hab Anerkennung bekommen und Freunde. Das war auch prima. Und ziemlich gut zu der Zeit. Und ich hab mit Sicherheit die Listenatmosphäre mitbestimmt. Ich hab schon damals nicht geschrieben: Ich möchte Dich am liebsten einen Esel nennen - sonder: "Du Esel". Und ganz bestimmt nicht geschrieben, was ich da mache *ggg*. Erst als ich fertig war, aber ich glaube, das hat kaum jemand verstanden. Ich weiß, daß sowas auch entwaffnend wirken kann. Das ist eine Wirkung, ebenso wie daß Leute angewidert sind. Ich kenn eine Seite, da beschreibt eine Frau ihre sexuellen Abenteuer. Die macht ganz schön wilde Sachen, letzthin wollte sie ausprobieren, Liebe gegen Bezahlung, also sie sich für bezahlten Sex angeboten. Oder sie beschreibt, wie sie mit ihrem Freund, der das alles gut findet, in einem ErotikClub war - ich finde die Frau Spitze - hab ich die gebookmarked? Ja, so ein Glück: Anns erotisches Tagebuch, also. Sie ist eine Tabubrecherin, und sie ist außer mir die einzige wirkliche Tabubrecherin, die ich kenne. Sie bricht die Tabus da, wo sie heilsam gebrochen werden können, nämlich innen. Eigentlich ist es auch kein "Brechen". Die ganzen anderen Tabubrüche der Geschichte, außer vielleicht, daß man sich nun auch als Frau oben ohne auf öffentlichen Liegewiesen sonnen kann, ohne daß noch ein Hahn kräht, waren entfremdete Tabubrüche. Und sie bricht das Tabu für sich! Wenn so ein unechter Tabubrecher (komisch, da fallen mir nur Männer ein), das Tabu bricht und er stößt auf Ablehnung, Kritik, Beschimpfung, Ermordung, Diskriminierung - hat er immer Erklärungen im Aussen. Das meinte ich mit: Tun was man für richtig hält und es so "glatt" tun, wie möglich. Es so tun, daß die Ablehnung nicht vorweggenommen wird. Daß nicht vorwärtsverteidigt wird. Den anderen zutrauen, mit dem Schrecken, den man auslöst, selber fertig zu werden, auf die Art, die ihnen beliebt. Und wenn es heftigste Ablehnung ist, es ist deren Entscheidung. Sie haben jedes Recht der Welt dazu. Und wenn es Anerkennung ist, auch das ist deren Entscheidung. Ein bedeutungsloser Mensch kann nichts für seine Jünger noch für seine Feinde. Und ebenso, wie man mit der Ablehnung, die die eigenen Taten auslösen, fertig werden muß, ohne daß sie Bedeutung bekommt, muß man auch mit der Anerkennung lernen fertig zu werden, ohne daß sie Bedeutung bekommt. Das ist schwieriger, und im Grunde, dann, wenn man es hat, wo es gründet, noch schmerzlicher.

Ach je, wenn wir schon mal bei Sex sind. Vor einer Weile hat mir jemand, der das hier vielleicht auch liest, und dessen Namen ich nie jemandem verraten werde, von seiner Sexsucht erzählt. Und wie er darunter gelitten hat und wie er es geschafft hat, sie aufzugeben. Und die Gründe dafür. Das war ein schöner Austausch. Hat mir sehr gefallen und der Mensch wurde mir sympathisch. Und jetzt schickt er mir ne Mail, ich solle doch mein Leben auf die Bibel gründen. Da krieg ich doch die Krise! Hat einer den Heilsweg für sich gefunden, muß er ihn gleich allen anderen Leuten unter die Füße kleben! Wenn es eine Rückfallgefahr gibt, wäre es besser, er würde sich Anns Tagebuch nicht ansehen.

Vielleicht gibt es sie nur im Ausgeleuchteten. Die (meine) Bedeutung. Spekulationsergebnis Spekulationsstufe 3: Vielleicht ist sie der qualitative Aspekt der neuronalen Verknüpfungen. Und Sprache? Das Ding einen Stuhl zu nennen? Die Sprache hat auch zwei Aspekte, oder? Und weil die Sprache eh so ungewöhnlich ist, nur Menschen sie haben, kleben die immer noch zusammen. Bestimmt hat die schon jemand unterschieden, ich hab ja noch fast nichts über Sprache gelesen. Irgendwas stimmt nicht, mit "meiner" Bedeutung.

 

 

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Monika Fürch alias Oskopia Kaleid, 2002