24.April 2002

Das Bindungsspiel

Tja, das mit der Liebe ohne Bedeutung ist wohl nicht so klar. Ein paar Gedanken zuvor, die ich die letzten Tage gelesen/gehört habe und die jetzt bezüglich dessen wirken, worüber ich nachdenke.

Singer macht in "Ignorabimus? - Ignoramus" einen Erklärungsversuch dafür, daß uns manche Dinge "als schon immer da" vorkommen:

Der Vorschlag ist, daß wir die Erfahrung, ein freies, selbstbestimmtes Ich zu sein, aus der Spiegelung unseres Selbst im jeweils anderen gewinnen, aus Dialogen des Formats: "Ich weiß, daß Du weißt, daß ich weiß" ... oder "ich weiß, daß Du weißt, wie ich fühle". Die Möglichkeit in solche Diskurse einzutreten eröffnet sich uns, weil wir über hinreichend differenzierte Gehirne verfügen, um eine Theorie des Geistes zu formulieren. Ich schlage ferner vor, daß wir die Erfahrung, ein selbstbestimmtes Ich zu sein, schon in frühen Lebensphasen über die Interaktion mit unseren Bezugspersonen gewinnen. Durch ständige Verweise der Art: "tu das nicht, sonst ....." oder "mach das, damit ...." - so die Hypothese - wird zwangsläufig die Erfahrung vermittelt, man sei im Grunde frei dies zu lassen oder jenes zu tun. Warum aber sollte sich dann unsere Wahrnehmung, ein freies Selbst zu sein, so anders anfühlen als die Wahrnehmung anderer sozialer Konstrukte? Warum wird uns gerade diese Erfahrung zu so unverbrüchlicher Überzeugung, da wir doch anderen Inhalten sozialen Lernens meist recht kritisch begegnen? Ich vermute, daß dies an der sogenannten frühkindlichen Amnesie liegt, am Unvermögen kleiner Kinder, ein episodisches Gedächtnis aufzubauen. Kleine Kinder sind zwar ungemein lernfähig, jedoch nicht in der Lage, den Verursachungskontext der jeweiligen Lerninhalte mit abzuspeichern. Sie lernen und wissen, aber sie wissen nicht, warum sie wissen oder woher sie etwas wissen. Die Fähigkeit zur kontextuellen Einbettung des Gelernten in den Lernprozeß reift erst etwa nach dem zweiten Lebensjahr heran.

Das ist eigentlich eine praktische Einrichtung des Gehirns, im Initialisierungszustand voll für die Initialisierung da zu sein und keine Resourcen für die Protokollierung zu verwenden.

Ein anderer Punkt, den ich gestern in einer Veranstaltung an der Uni gehört habe, ist die Vorstellung, die auch schon durch neue Experimente (auch von Singer) belegt sein soll (der Fachartikel dazu ist aber noch gebührenplichtig), daß wir die Wirklichkeit "anhalluzinieren". Das Wort gefällt mir, aber es sagt mehr als gemeint ist. Gemeint ist, daß wir verschiedene Welttemplates im Kopf haben, (die wohl auch ständig überarbeitet werden und an veränderte Kontexte angepasst werden) und daß wir bei jedem Grap in die Wirklichkeit wählen, welches Template passt. Es war nur eine kurze Bemerkung - und dann, stelle ich mir vor, da unsere Aufmerksamkeit sich automatisch auf Veränderung richtet und auf Gefahr und evtl auch auf "NichtStimmen", das auch Gefahr bedeuten könnte, gleichen wir die Lücken ab. Ich könnte mir vorstellen, sowohl im aktuellen Modell als auch im Template. Ich könnte mir auch vorstellen, daß wir nicht vollständige Templates im Kopf haben, das wäre ineffektiv und entspricht auch nicht den Bildbildenden Vorgängen im Gehirn, sondern Muster und Vorschriften, wie die Muster zu einem vollständigen Modell zusammengesetzt werden. Also: Es bedarf eines Hintergrundes und eines Randes und einer Oberflächenstruktur und ... . Und bei den Situationstemplates ... nu richtig doll spekulieren tu ich gleich weiter unten. Es könnte in den Templates abgelegt sein, ob jemand eher den Wald oder eher einzelne Bäume sieht. Es könnte abgelegt sein, ob man eher auf puzzeln aus ist (vorhandenes lösen) oder auf bauen (neues zusammensetzen). Und natürlich ganz einfache Pattern, die das jeweilige Hintergrundgefühl vorschreiben. Solche Sachen.

Und da war noch was, noch zwei was. Ja, eines war Johnson-Laird, "Mental Models" - oder irgendeine andere der raren Stellen im Internet, wo diese Mental Models angedeutet werden, da wird deutlich, daß folgende Idee funktionieren kann: Es findet ein sequentieller Modellvergleich statt, bis ein Modell matched. Je mehr Modelle für eine Situation nötig sind, desto länger dauert die Antwort. Und, eben, wenn ein Modell matched, ist man fertig - das bedeutet, daß bei ungewöhnlichen Situationen regelmäßig falsche Antworten vorkommen - die Beispiele von ihm dazu sind interessant.

Und noch was, was war das denn. Ah, ja. Auch aus einer Veranstaltung, daß es auch Theorien gibt, die Gefühle als etwas nicht Geistiges, als etwas zum Körper gehöriges betrachten. Hätt ich eigentlich schon nach Damasio so ausformulieren können.

Und jetzt das gane unsortiert, was mir dazu einfiel. Mir wurde klar, daß die Philosophen mit Bedeutung was ganz anderes meinen als ich ursprünglich. Wenigstens reden sie nur von der inhaltlichen Bedeutung, selbst, wenn sie sagen, "die Bedeutung, die es für einen hat", meinen sie dennoch nicht das, was ich meine, wenn ich sage, "die Bedeutung, die es für mich hat." Die Bedeutung, die sie meinen ist etwas, was ich für gewöhnlich geneigt bin, dem Objekt zuzuschreiben. Ein Stuhl ist ein Stuhl ist ein Stuhl. Darüber muß ich nicht reflektieren. Das passt. Das ist auch nie bewußt, solange es funktioniert, daß ich die Bedeutung gebe. Mache ich ja auch nicht, macht mein Gehirn im unausgeleuchteten Teil. Und die anderen Bedeutungen, was ist mit denen? Sie sind "bedeutsam" *ggg* - sie sind mir wichtig, sie sind irgendwo am Rande oder im Zentrum meiner Aufmerksamkeit, und ich glaube, sie sind alle Bewertungen.

Mir wurde klar, daß ich bestenfalls Laberphilosophin werden kann, weil mir die Puzzlearbeit nicht gefällt, die die analytische Philosophie macht und auch nicht die Datensammlung, die die Wissenschaftsphilosophie und Sozialphilosophie macht. Technik ist viel einfacher. Meine Bewertung sagt mir: "Du brauchst eine funktionierende Gesamttheorie über dich und die Welt" - aber mein Handlungsinteresse liegt nicht auf dem, was dazu nötig ist. Ich werds wohl aufhören. Wenn ich die Logik und gewisse analytische Grundfähigkeiten intus habe - die brauche ich. Für Projekte - will ja nicht noch in 10 Jahren einfach nur Programmieren. Das wird mir in zwei, drei Jahren wieder keinen Spaß mehr machen. Und Laberphilosophie ist ja - bäh! Da werd ich lieber Dichterin. . Witzig, daß man was werden will, wenn man schon was ist. Modellgenerierung gefällt mir, allerdings TopDown - und auch die ModellBildung in der Technik läuft von den Daten her - wenigstens das, was sie metamodellieren können. Es ist ihnen klar, daß alleine für die Datensammlung schon ein VorModell vorhanden ist. Jaja, auch den Technikern geht der Fluß der Zeit nicht am Bewußtsein vorbei. Mir gefällt diese ganz große Schleife - abstraktes Modell bilden, aus den ModellPattern, die ich habe und den Regeln, wie man sie zusammensetzen kann, Matchingvergleich, matched? OK, kein Interesse mehr an Detailvalidierung - Matched nicht? An welchen Stellen? Dieses Pattern austauschen und die anderen entsprechend anpassen oder auch austauschen, alles neu anordnen, bis es wieder ein "richtiges" Modell ist. Matchingvergleich. So ne Art Modellgenerator eben. Aber rein strukturell und abstrakt. Vollkommen inhaltslos. Und die Regeln hab ich wirklich automatisch (unausgeleuchtet, vorbewußt) intus - und eine Masse an Pattern und eine hoch ausgebildete Fähigkeit, die Patternsammlung zu erweitern. Das können die allerwenigsten Leute, weil sie an dem, was aus den Pattern für ein Modell entsteht, kleben, weil es ihnen in meinem Sinne bedeutsam ist. Und für mich bedeuten die Pattern nichts, das ist das Puzzle, das ich liebe. Ich kann mir ein ziemlich unglückliches Szenario vorstellen, in dem diese ungewöhnliche Fähigkeit entstanden ist, aber das tut nichts zur Sache. Es ist nichtsdestotrotz eine Fähigkeit. Ich müßte nur wissen, wozu man sie verwenden kann. Oder mit was man es verbinden muß, daß man es sinnvoll verwenden kann. Das dumme ist, ich selber kann zwar die Pattern sicher auf die vorbereiteten Daten übertragen - aber ich kann nicht sicher aus den Daten wesentliches und unwesentliches für das Modell, das gesucht wird, rausfiltern. Es ist alles gleich. Gleich wichtig.
Das muß es ja auch, wenn man die mögliche Entstehungssituation imaginiert. Die große Katastrophe, daß Modell (Ich) und Welt nicht matchen. Die Daten immer mehr entfleischt, auf Strukturdaten reduziert, denn der Fehler war in den Daten, wie kann man sie noch anordnen, daß es stimmt. Dazu müßen die dafür unwesentlichen Eigenschaften ausgeblendet werden. Und nun funktioniert das perfekt. Und ich krieg keine fleischliche Welt mehr zustande. Es ist alles gleich. Gleich wichtig.

Dann habe ich das mit den Gefühlen versucht. Das ist ein prima Ausweg, und hat auch geklappt, Hosianna. Die Welt bekam massig von (meiner) Bedeutung. Das macht Spaß - ist aber bei mir auch nur ein Spiel. Und bei anderen ist es ernst. Ich kann mich mit dem Gefühl identifizieren (das ist mehr, als "so tun als ob") und ich kann es bleiben lassen. Nicht immer sofort, aber immer. Irgendwas in meiner Initialisierungsphase ging böse schief. Nun bin ich ein Alien - Alien ist man aber immer nur auf einem fremden Planeten, nie für sich. Das mit den Gefühlen hat nämlich einen Nachteil, Gefühle sind die Bedeutung. Ich hab ne Weile geglaubt, sie sind das wirkliche, doch, knacks, die Analysemaschine gab nicht Ruh, solange sie das Ergebnis nicht ausgespuckt hatte, konnte ich mich halbwillentlich identifizieren und hoffen, es wird ein Dauerzustand, nun hat sie gesprochen, nach zwei Jahren ratterratter: Die Gefühle sind die Bedeutung. Nicht die körperlichen, natürlich. Und jetzt wirds eben konfus - jetzt kommt das, was ich auseinanderklamüsern will.

Die körperlichen Gefühle, wenn ich die bedeutungslos erleben kann, sind eben "da" - die (technische) Bedeutung von so einem Gefühl ist einfach das Erfahren des körperlichen Zustandes mit der damit verbundenen Ungemütlichkeit oder Euphorie oder so. Ich zähle zu der technischen Bedeutung auch noch die Bezeichnung, also "Angst", "Trauer", "Freude", "Wut", "Ekel", "Erstaunen". Auch "Liebe", wenn man das Objekt wegläßt, was einem ja bei der Betrachtung von "Angst" als (körperliches) Gefühl problemlos möglich ist, bei "Liebe" wehren sich manche aber energisch.
Auch werden diese Gefühle (vorsprachlich) kommuniziert. Wir erkennen die Zeichen (unausgeleuchtet, vorbewußt) bei anderen. Diese sind viel mehr als Gestik oder Mimik. Gestik oder Mimik ist ja grade das, was wir bewußt erkennen können. Wir WISSEN, ohne zu wissen, warum. Wir wissen nicht, wo wir gelernt haben, daß wir wissen. Und wir wissen meist nicht mal bewußt.
Dann muß es irgendwas geben, was sagt: "Guter Zustand" oder "Schlechter Zustand" - auch noch ohne (meine) Bedeutung. Und das crude daran ist, dieses Etwas kann auch zu "Freude" signalisieren: "Gefahr". Ohne (meine) Bedeutung wohlgemerkt und auch nicht ausgeleuchtet. Das glaube ich passiert im ständigen Hypothesenabgleich. Das ist in den TemplatePattern drin, und zwar in denen mit hoher Priorität, denen die nahezu dauernd zum Abgleich verwendet werden. Und irgendsoein Pattern könnte lauten: Input: "Freude" (eben als Input der körperlichen Gefühlssituation) -> Output: "Erhöhte Wachsamkeit" (Daß damit der Input überschrieben wird, muß für das Pattern nicht bekannt sein). Und das könnte, jetzt kommt meine spekulativste Spekulation, das Hintergrundgefühl erzeugen - denn es wird ständig neu erzeugt, glaube ich, es ist keine körperliche Disposition.
Es gibt ja noch die körperlichen Haltungen. Erst habe ich geglaubt, die erzeugen das Hintergrundgefühl, aber jetzt müßen die etwas anderes sein. Es gibt Menschen mit einer eindeutig anderen körperlichen Haltung als sie an Hintergrundgefühl kommunizieren. Selten, aber ich hab welche getroffen. Selten gibt es Menschen, bei denen das fast immer so ist, häufiger gibt es Situationen, in denen es grade mal so ist - jemand kann überzeugend ein anderes Hintergrundgefühl kommunizieren, also z.B. ein paar Minuten lang entspannt sein, der sonst immer konsistent körperliche Anspannung und Hintergrundgefühl "Wachsamkeit" kommuniziert. Und da haut die Bezeichnung: "verdrängt" nicht mehr hin - wenn ich meiner Wahrnehmung traue, und das tue ich, die (bedeutungslose) GefühlsWahrnehmung ist ebenso wie die abstrakte Modellgenerierung ziemlich gut. Denn in diesen Momenten ist nichts verdrängt. Es wird das Bewußtsein nicht von etwas abgezogen, was vorhanden ist. In diesen Momenten ist keine "Wachsamkeit" da. Das TemplatePattern ist da, das jeden Moment neue HintergrundWachsamkeit induzieren kann, die wäre dann wieder unausgeleuchtet (vorbewußt). So stelle ich mir das zur Zeit vor, aber was ist mit der körperlichen Haltung - die verändert sich nämlich nicht wesentlich (also nicht in dem, was für mich jetzt Haltung bedeuten soll, ich glaube, das ist das, was Reich auch als Charakterstruktur bezeichnet - ich hab sein Wort nicht mehr, ist schon über 20 Jahre her, war es auch "Haltung"? - nur Reich ging davon aus, daß die "Haltung" und das Hintergrundgefühl ständig korrelieren und ich glaube sogar, er nahm an, daß das Ursächliche die Haltung ist, so sie mal verfestigt ist). Und wenn meine Wahrnehmung stimmt, was natürlich nur für mich nicht sehr fraglich ist, dann korrelieren die nicht unbedingt. Jemand hat die körperliche Haltung von z.B. "sprungbereit(angriff)" oder "Mäuschen(zurückziehen)" - kann aber entweder dauernd oder eine kurze Zeitspanne lang in einem (unausgeleuchteten) Gefühlszustand sein, der "entspannt" ist, "friedlich", "interessiert", "offen". Alles immer noch ohne (meine) Bedeutung. Diese Leute sind gar nichts so schlimm für die Kommunikation, sie verwirren am Anfang, zwei widersrpüchliche Signale, doch da kann ich leicht die Haltung ausblenden. Aber was ist dann diese Haltung? Das würde ich wirklich gerne wissen. Noch dazu, wo die "Gefühlszustand" (Hintergrundgefühl) Signale auch nur körperlich ausgesendet werden. (Nehm ich mal an, muß aber nicht sein, können auch Duftstoffe sein oder Wellen oder andere Fernwirkungssignale).
OK, das weiß ich nicht. Und das interessiert mich, weil ich sie als körperliche Blockaden empfinde und weil die nerven. Eher interessiert mich eigentlich, wie man die los wird. Dazu muß ich ja net unbedingt wissen, was die sind. Doch wenn körperlich stabil sind ist ein Auflösungsmechanismus anders, als wenn sie ständig neu erzeugt werden. Doch das kann nicht stimmen, sie werden wenigstens aufrechterhalten. Es ist keine Vernarbung oder ein falsch geheilter Bruch oder ein Leberfleck, etwas, das unabhängig von Gehirnprozessen da ist. Glaub ich nicht. In Regression in Hypnose kann er weg sein, bei multib(p?)len Personen kann es wechseln. Ok, irgendwas hatte ich heute früh, es schien mir, als griffe ich erfolgreich darauf zu. Genauer ansehen, die nächsten Tage.

Und nun zu "meiner" Bedeutung. Bis hierher gab es nur technische Bedeutung. Man erlebt was, und wenn man es bewußt erlebt, kann man es so bezeichnen, wie andere Leute es auch bezeichnen. Wenn es stimmt, daß die Gefühlsinformationen reichhaltig vorbewußt kommuniziert werden, sind sie ein fantastisches Mittel der sozialen Bindung. Und auch da ist alles konfus. Auch da will ich sortieren. Das Dumme, an der Bedeutung, die ich meine, ist, daß sie auch nicht bewußt sein muß. Und wie soll ich jetzt den Unterschied beschreiben. Mal versuchen. Die technische Bedeutung ist die Bedeutung, die es "ohne andere" hat. Eine Angst ist eine Angst ist eine Angst. Und ohne Blick auf die Zukunft. Und ohne Bewertung. Aber, ich weiß nicht, ob das (alles) Unterschiede sind. Ich weiß von (meiner) Bedeutung nur, was mich daran stört. Sie ist ein Mittel zur Kommunikation? Nicht genau. Sie ist ein Mittel zur Bindung. Ja. Wenn man die Bindung ganz aufgibt, braucht man doch eine Ethik. Wenn man die Bindung ganz aufgibt, ist der Mensch nicht "von Natur aus gut". Das "gut sein", das ich bisher immer angenommen habe, das war die Einigkeit, die ich erzielen konnte, wenn ich (meine) Gefühlsbedeutung kommunizieren konnte. Es war immer und sofort gegenseitig. Es war die Akzeptanz der, nicht der Gefühle, sondern der Gefühlsbedeutung. Es war das Zugeständnis, die Vereinbarung einzuhalten. Gruselig spannend. Jetzt hab ich den Dreh nach 40 Jahren gefunden, wie die Menschen zusammen sind, und jetzt will ich den wieder aufgeben.

Beispiel: Ich kommuniziere (nicht haltungsmäßig, ob die Haltung matched, ist egal) "hab mich lieb" (in irgendeiner Form, "versteh mich", "erkenne mich an", ...) - ich kommuniziere das auch nicht psychologisch beschreibbar, durch Forderungen oder Hilfsbereitschaft, nene, durch diese angenommenen vorbewußten Mikrosignale. Und die allermeisten Menschen spielen mit. Bei einigen oder vielen von ihnen klappt vielleicht die Verständigung nicht, aber das hab ich ja grade gelernt - ich glaube, ich kann nun mit allen, die ich kenne, und die mitspielen, entweder kommunizieren oder erkennen, wieso die Kommunikation nicht klappt, daß die andere Person aber das gleiche Spiel spielt, nur in einen anderen Sprache, vielleicht ist die Distanz, die von uns beiden benötigt wird, zum erfolgreichen Spiel unterschiedlich oder die Geschwindigkeit, oder die Konkretheit, egal. Es spielen nicht alle Menschen das Bindungsspiel mit. Und es ist kein Mensch von Natur aus gut. Ich will das jetzt nicht genauer ausführen, die Daten, aus denen ich diese Erkenntnis gewonnen habe, können sogar unvollständig sein oder falsch interpretiert - aber das Ergebnis stimmt: Ich spiele das Bindungsspiel. Es klappt meistens. Man muß dieses Spiel nicht spielen. Wer dieses Spiel nicht spielt ist nicht von Natur aus gut.

Und was gefällt mir nun nicht, am Bindungsspiel, wenn es doch meistens klappt? Klar, gewonnen hab ich die Erkenntnis aus Situationen, in denen es nicht klappt, und die auch bei wiederholten Versuchen und den verschiedensten Ansätzen innerhalb des Spieles uninterpretierbar blieben. Die Basis des Spieles ist: "Wenn du nicht mitspielst, sterbe ich". und das ist nicht wahr. und das gefällt mir nicht. und ich möchte wissen, was ich machen würde, wenn ich nicht soviel Energie in das Spiel stecken würde. Mir fällt tatsächlich nichts ein, was ich sonst machen sollte, mit dieser unbandig vielen Zeit und Energie und Denkkapazitäten und Möglichkeiten, die ich dann hätte. Und ich kann mir keine einzige Situation vorstellen, wie ich mich verhalten würde, wie ich wäre, ohne dieses Spiel. Und ich wüßte nicht, was dann der Sinn des Lebens wäre. Vielleicht habe ich eine Wahl, es nicht aufzugeben - doch das was zur Auswahl steht, ist schon bewertet. Das Leben ist hinter diesem Spiel. Ich weiß nicht, was dahinter ist - doch, das sind die heutigen weißen Flecke auf der Landkarte, die es zu meines Vaters Kindheit noch auf der Erdkarte gab. Nun hab ich dieses Land erforscht, endlich nach zig Jahren nur aus dem Fenster kucken, ich habe erlebt, was es zu bieten hat. Es ist viel großartiger, als ich dachte. Es ist nicht, was ich will .Und ich werde reisen.

 

 

 

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Monika Fürch alias Oskopia Kaleid, 2002