23.11.2001

Ethik des Krieges. Ich hab nicht gewußt, daß ich so dermaßen anders denke. Hab zwei Kommiltoninnen erzählt, warum ich mir diese Veranstaltung anhören will. Die eine kuckte mich an wie ein Ufo, und sagte mit Überzeugung, daß ich einen Witz mache. Ich wünschte, alle meine Witze könnten so eine Verblüffung auslösen. So aber war das größere Erstaunen auf meiner Seite - ist meine Einstellung so weltfremd? Und die zweite lachte und meinte: "so radikal denkst Du." Bisher war ich immer "gegen was" gewesen, wenn ich radikal gewesen war - aber hier hatte ich gedacht, ich wäre voll im Konsens. Ich bin niemals auf die Idee gekommen, daß ein vernünftiger Mensch anderer Meinung sein könnte. Hab deswegen auch nie jemanden gefragt. Kann man also auch urtümlich radikal denken. So was.

Ich bin hingegangen, weil es um Ethik ging. Daß das Thema nun grade "Terror und Gegenterror" war, ist Nebensache. Es ist mir vollkommen unverständlich, wie man sich mit Ethik beschäftigen kann. Das liegt wohl daran, daß ich nicht glaube, daß sich Menschen über Prinzipien ändern.

Was ich gedacht habe (und eigentlich passt es nicht zum "bissig", das dieses Tagebuch sein sollte, denn es ist mir tiefernst:

Menschen machen Dinge, die nicht "gut" sind. Die Leid verursachen. Was ich über Leid denke, ist wohl auch nicht allgemeiner Konsens, doch immerhin teile ich die allgemeine Meinung, daß weniger Leid besser ist. Menschen könnten andere Dinge machen, als die "schlechten". Soweit geh ich mit dem, was ich über die Motivation der Ethiker glaube, konform. Die Frage ist auch nicht, ob wir uns vielleicht nicht einig werden könnten, was denn nun "gut" und was denn nun "schlecht" ist. Angenommen, wir wären uns einig, die Ethikerin und ich (ich hab übrigens noch nie von einem weiblichen Ethiker gehört, das läßt mich hoffen), was denn nun "gutes" Handeln wäre und vor allem, was denn nun "schlechtes" Handeln wäre. Der Dozent heute, der menschlich sehr sympathisch war, hatte auch die Offenheit und den Mut, Sätze auszusprechen, wie "Das darf man nicht." Genau :) - so hatte ich mir die Ethik vorgestellt. Und auch wenn einzelne Ethiker das vorsichtiger formulieren, läuft es auf ein allgemeines "das darf man nicht hinaus."

 

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