23.April 2002

Ich wohne in nicht störender Hörweite einer Autobahn, es ist 6 Uhr, grade hupte es, es klang wie ein Schiffshorn. Manche Lastwagen haben so eine Hupe. Das fiel mir aber alles erst eine gute Sekunde später ein. Das erste war, ich hörte etwas und dachte an ein Schiff und fühlte irgendwas wie Küste und gleichzeitig wußte ich aber, daß ich nicht am Meer war und daß da was nicht stimmte. Dann fiel mir das mit der Autobahn und den Lastwagen ein. Danach stand ich auf. Nun kann aber durch Introspektion keine Erkenntnis über die wirklichen Repräsentationen gewonnen werden. Und da ist er wieder dieser logische Fehler von gestern. Ein Bild alleine kann nichts bedeuten. Das ist das, was Searle auf bildhafte Repräsentationen genauer beschreibt mit syntaktische Eigenschaften sind nicht intrinsisch. Nun wollen wir mal versuchen zu verstehen, wieso z.B. Fodor meint, eine propositionale Repräsentation hätte diese Schwierigkeit nicht. Zurück zu Schumacher also.

Stunden später. Schumacher macht es gut. Er verwendet nicht ein einziges Mal das Wort Bedeutung. Die anderen Repräsentationstheorien scheitern am Wahrheitsgehalt. Auf jeden Fall ist das interessant. Und irgendwas ist faul *ggg*. Da beschäftigen sich die klügsten Köpfe der Welt seit vielleicht 300 Jahren mit diesem Problem und seit vielleicht 50 Jahren quantitativ intensiv und seit ca 30 Jahren sehr intensiv und sie kommen keiner Lösung im Sinne einer Erklärung näher. Mit ihnen bin ich aber der Meinung, daß es eine Erklärung geben muß oder wenigstens eine Erklärung der Nicht-Erklärbarkeit. Wenn mir sowas passiert, daß ich länger, als ich für ein Problem für angemessen halte, Fehlversuche bei einer Lösung habe, dann wechsle ich den Ansatz, sobald ich merke, daß der Aufwand unangemessen zur angenommenen Komplexität des Problems und der angenommenen Einfachheit der Lösung ist. Der funktionalistische Ansatz war so ein neuer Ansatz. Dennoch klappt er nicht. Was hat er mit den anderen gemeinsam?

Zuerstmal das, was wir nicht aufgeben wollen, daß die Situation im Kopf irgendwie angemessen der Welt entspricht. Dann, was mir schon gestern aufgefallen ist, daß Teile der Repräsentation auf Teile der Welt referrieren. Vielleicht könnte man das aufgeben, ohne in die Bedeutungslosigkeit zu verfallen. Ich weiß nicht. Vielleicht könnte man Teile dieser Annahme aufgeben, also z.B. daß der Fokus unseres Bewußtseins auf Teilen der Repräsentation liegt, doch die positive Wirkung nur auf einer einzigen Relation beruht, von GesamtGehirn auf GesamtWelt. Wenn Introspektion keine gesicherte Auskunft über physische Gehirnvorgänge geben kann, kann es auch sein, daß dieses TeileSehen, das ja introspektiv ist, nur ein HotSpot ist, aber die Wirkung nicht auf den Relationen dessen beruht, was er ausleuchtet.

Ich schreibe gerade ein Softwareprojekt, das ist in einem Punkt zugunsten von optimaler Datensicherheit total uneffektiv konzepiert. Der Benutzer ändert ein Datenbankmodell. Normalerweise können Datenbankänderungen selektiv ausgeführt werden, wenn ein Attribut eines Datensatzes geändert wird, muß auch nur dieses eine Attribut in der Datenbank gesucht werden und verändert werden. Doch in diesem Projekt ist es so: jede Änderung führt zu einem vollständigen Speichern des gesamten Modells. So, wie ich ja auch, wenn ich in einer beliebig großen Datei auch nur einen i-Punkt dazufüge, nicht nur den Punkt speichere, sondern die ganze Datei, auch alles, was gleichgeblieben ist. Die unterschiedliche Konzeption zwischen Datenbanken und Dateien rührt daher, daß die Änderungen in der Datenbank im HauptSpeicherbereich der Datenbank gemacht werden und nicht auf der Platte (ob die Datenbank dann so realisiert ist, daß sie selbst eine einzige große Datei ist oder in viele kleinen Dateien auf der Platte liegt, ist davon unahbängig). Eine Speicherung auf Platte aber erfolgt in dem Rahmen von "Datei" - es werden immer nur ganze Dateien gespeichert. Allerdings nie ganze Platten *ggg* - dann ganze Platten kann man nicht im Hauptspeicher halten, der Größenunterschied ist gewaltig. Nun ist eine Platte so entstanden, um der relativ geringen Größe des Hauptspeichers .zu entkommen (eigentlich entstanden ist sie natürlich, um Daten daueerhaft zu speichern - doch verwendet wird sie heute auch zur "Auslagerung", als simulierte Erweiterung des Hauptspeichers. Wenn er nicht ausreicht, schreibt er einfach Teile, die er gerade nicht braucht, in eine Auslagerungsdatei). Die Welt ist aber weder entstanden, um unsere Gehinrinhalte dauerhaft zu machen noch um der Größenbeschränkung unseres Gehirns zu entkommen. Hier war erst die Platte, dann der Hauptspeicher. Auch sind die Daten in einem Computerhauptspeicher und auf einer Computerplatte vollkommen gleich. Auf der Platte steht: "װ _i" - und im Hauptspeicher steht: "װ _i" - was das bedeutet ist eine andere Frage *ggg*.

Unsere Gehirndaten sind mit den Weltdaten ganz sicher nicht vollkommen gleich. Sie müßen stark reduziert sein, daß die gesamte Welt reinpasst. Was ich ja überhaupt nicht verstehe, ist, wenn man heute von konnektionistischen Systemen ausgeht, wieso man dann noch nach Repräsentanten von EinzelTeilen sucht. Wie können sie in einem konnektionistischen System ein Objekt abgrenzen? Außer einen einzelnen Knoten natürlich, doch so ein einzelner Knoten repräsentiert vielleicht etwas wie "konkav, versus konvex" oder wie "heller als" oder wie "neben" oder wie "im vordergrund" oder wie "ist schatten von"- also keine Objekte. Und viele dieser Repräsentanten sind nicht für sich alleine sinnvoll. Sie sind auch nicht alleine bezüglich des Objekts, das sie bilden sollen, sinnvoll. Für "vordergrund" brauche ich den "hintergrund". für "neben" ein "daneben", wie "heller als" etwas, das "dunkler" ist - wenn sich nun alle tatsächlich verwendeten Kriterien niemals alleine auf Objekte beziehen können, wäre es durchaus sinnvoll, die Gesamtrepräsentation als allein relational verbunden zu betrachten.

 

 

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Monika Fürch alias Oskopia Kaleid, 2002