22.April 2002

Irgendwas ist vollkommen unlogisch an den (mentalen) Repräsentationstheorien. Was ist etwas, was wir sicher wissen (wenn wir mal Zeit und Raum anerkennen)? Wir haben uns als Gattung entwickelt, haben als Gattung Bestand und sind als Individuen auch schon einige Jahre erfolgreich am Leben. Deswegen muß unsere Art in der Welt zu agieren der Welt entsprechen. Aber unsere Art die Welt wahrzunehmen oder über die Welt zu denken, muß noch gar nicht der Welt entsprechen. Nicht in dem Sinne, daß es das gibt, was wir denken. Das einzige, was ich mal als sicher annehme, ist, daß wir den Gesetzen der Welt, so es denn welche gibt, entsprechen. Aber nicht, daß das, was wir über die Gesetze glauben, stimmt. Das ist herzlich wenig. Damit kann man gar nichts anfangen. Unsere Art, die Welt wahrzunehmen, ist die der Diskriminierung. Wir diskriminieren Entitäten. Und wenn es diese Entitäten gar nicht gibt? Ist es denkbar, daß die Diskriminierung erfolgreich ist (und andere Taktiken erfolglos sein könnten), ohne daß es Entitäten gibt? Ich glaube ja, und ich kann mir vorstellen, daß, aber erklären müßt ich es auch noch können.

Was funktioniert ist unser Gesamt. Was wir tun, jeden Moment, ist diskriminieren, wir unterteilen, wir stecken klare Grenzen. Das funktioniert - und dennoch, so wie es in der Welt keine Farben gibt, muß es auch keine klaren Grenzen geben. Obwohl es in der Welt keine Farben gibt, funktioniert das mit den Farben wundervoll. Dennoch, wie wir überlebt haben, ist: gesamt. Meine gesamte Einstellung der Welt gegenüber entsprich ihr insoweit, daß ich immer noch leben kann. Es ist noch ganz schwammig. Sie machen die Bedeutung an Teilen fest. Sie wollen Teile auf die Aussenwelt mappen. Ich glaube, das geht nicht. Ganz gleich, auf welcher Ebene man die Teile ansiedelt, ganz gleich, welches Repräsentationsmodell man verwendet, ganz gleich, wie einfach oder komplex man die Teile sein läßt. Diskriminierung funktioniert als Funktion, doch sie funktioniert nicht als Erklärung. Wenn es funktioniert, daß wir in Objekten denken, muß es in der Welt dennoch keine Objekte geben. Das ist crude, das kann nicht sein. Die Bedeutung hängt nicht am Wort. Sie hängt nicht am Satz. Sie ist nicht auf der neuronalen Ebene, sie ist nicht auf der funktionalen Ebene einzuordnen. Sie ist da und wir bekommen sie nicht erklärt.

Aber was wir wirklich haben, und ich glaube, da sind wir uns alle einig, ohne Konstruktivisten zu sein, ist: Wir haben nur die Welt im Kopf. Und was wir wirklich tun, das tun sogar die Konstruktivisten, wir tun wirklich was in der Welt. Und das eine hat mit dem anderen zu tun - also, wenn ich was über die Welt denke und es entspricht, bin ich erfolgreicher, als wenn es nicht entpricht. Das einzige, was dazu nötig ist, ist die ENTSPRECHUNG. Dazu muß es in der Welt keine Objekte geben. Logisch muß es das nicht. Es ist nicht nur so, daß es "mehr" Eigenschaften und Objekte geben kann, als wir wahrnehmen können, es kann auch so sein, daß es gar keine gibt. Es gibt in der Welt keine klaren Grenzen. Wir sind im Mesobereich groß. Wir diskriminieren im Mesobereich, erfolgreich.

Irgendwas war da. Ich habe in meinem Kopf eine vollständig funktionierende Meinung von der Welt. Es ist nicht mal sicher, daß diese Meinung einen Unterschied macht, aber ich glaube schon und nehmen wir das mal an. In dieser Meinung unterteile ich die Welt in Objekte. Das funktioniert ohne Zweifel. Ich erinnere mich ganz dunkel, das hab ich nicht immer gemacht. Lassen wir das, mal. Ich habe nur wirklich nur und immer nur eine vollständige Welt im Kopf. Draußen gibt es auch eine vollständige Welt. Und es gibt eine mich lebendlassende Beziehung zwischen meiner Welt im Kopf und der Welt draußen. Muß es deswegen eine Abbildfunktion geben? Nein. Aber warum nicht. Wenn man es logisch korrekt sieht (ich experimentiere grad nur, ich weiß es nicht, aber, wie gesagt, mir gefällt was ganz und gar nicht, sie vermischen Bereiche), also, so bescheuert das klingt, die Abbildfunktion und ihre Notwendigkeit ist auch nur in meinem Kopf. Es ist nicht notwendig, daß das was ich im Kopf habe, ein Modell der Welt ist. Das einzige, was wir wissen, ist, daß es funktioniert. Deswegen muß es noch nicht wahr sein. Ich dreh mich im Kreis, aber hier irgendwo ist es.

Nochmal von vorn. Ich habe eine vollständige Welt in meinem Kopf und da draußen gibt es eine vollständige Welt (von der ich ein Teil bin). Meine Welt in meinem Kopf beeinflußt mein Handeln. Mein Handeln ist in der Welt. Mein Handeln entspricht der Welt. Ich lebe. Und, in meinem Kopf ist die Idee, von Objekten. Die Idee von Objekten ist auf jeden Fall nicht hinderlich für den Weg "Welt in meinem Kopf" - "Handeln" - "Welt da draußen" - "weiter leben". Wenn es die Idee von einem Objekt gibt, die so sagenhaft gut funktioniert, muß es auch das Objekt geben. Kann sein, ich weiß nicht, ich glaub nicht, aber es geht um Bedeutung. Sie wollen eine naturalisierbere repräsentationale Theorie von Bedeutung. Damit sie die Kausalwirkungen ihrer Entscheidungen behalten können. Ich glaube nicht an die Kausalwirkung von Entscheidungen, aber ich weiß was sie meinen, und an das glaube ich schon. Irgendwo ist ein logischer Fehler. Jetzt hab ich was - sie glauben, weil das Gesamt so gut funktioniert, (und wir nehmen gemeinsam an, daß das Gesamt daher entspricht) muß auch eine zureichende Menge an Einzel entsprechen. Das ist furchtbar plausibel, aber logisch nicht notwendig. Sie glauben, das Gesamt wäre aus Einzel aufgebaut. Und das stimmt nicht. Das ist es, was nur im Kopf ist. Also, auf jeden Fall gibt es keinen logischen Grund, das auf die Welt zu übertragen.

Sie sagen, wenn ich behaupte, ich könne minutenlang leben, ohne Bedeutung, wäre das nicht, was sie meinen, denn die Bedeutung, von der sie sprechen, wäre subpersonal. Ich stimme dem zu. Daß ich keine Bedeutung erlebe, ist kein Beweis, daß es keine Bedeutung gibt. Die Bedeutung, auf die es ankommt, ist subpersonal. Und da ist er schon wieder, der logische Fehler. Akzeptanz also dafür: Die Welt in meinem Kopf die einer da draußen lebensfähig entspricht, ist im wesentlichen subpersonal. Introspektion bringt keine vollständige Erkenntnis über sie.

Ich komm nicht drauf. Ein Thermostat korreliert mit der Aussentemperatur (also mit der ausserhalb - und auch innerhalb - ihm). Da draußen, dächte der Thermostat, wenn er denken können, muß es irgendwas geben, was den Werten meines Sensors entspricht. Wir können den Sensor auch binär codieren, nicht analog. Die Welt ist gestuft, dächte der Thermostat, wenn er denken könnte.

Die Bedeutung, das ist es, was ich zur Zeit glaube, ist nur in meinem Kopf. Die Relation zur Welt ist nicht zufällig, doch sie ist auch nicht abbildbar. Sie sagen, die Extension von Gold wäre genau bestimmt. Ich weiß, was sie meinen und erkenne das jetzt mal an, auch wenn man da anderer Meinung sein könnte. Aber "Extension von Gold" ist auch nur in meinem Kopf. "Gold" ist da draußen, ganz gleich, was "Gold" ist. Aber es ist nicht unbedingt ein GoldObjekt da draußen. Ach, ich komm nicht drauf, aber irgendwas ist da faul.

Die Bedeutung ist nur in meinem Kopf, und wenn man versucht, die nicht zufällige Korrelation zwischen dem Gesamt meines Kopfinhaltes mit dem Gesamt der Welt (einschließlich mir) differenziert zu erklären, bekommt man bannig Probleme. Der Zwilling repräsentiert für mich nicht seinen Bruder, sagen sie. Das stimmt. Und es stimmt nicht. Ich kann nie umhin, an den Bruder zu denken, wenn ich den Zwilling sehe. Ich geb auf, für heute.

 

 

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Monika Fürch alias Oskopia Kaleid, 2002