15.Juli 2002

Unbeschwert krank sein

... oder: I love her!

Also, ich schon wieder am Husten. Mich endlich damit abgefunden, daß ich in die Heia muß. Mich endlich damit abgefunden, daß ich leiden muß und daß ich nicht weiß, wann ich morgen früh aufstehen kann und alles auf die Reihe kriege ... . Klingelt das Telefon. Brave Mütter gehen ans Telefon, wenn es nach 19 Uhr klingelt. Könnte ja ein Kind sein. War es auch.

Reden, reden, über das, was sie so bewegt - und, dann sage ich fürs Wochenende ab. Ich hab wirklich keine Lust, irgendwo bei Würzburg auf der Autobahn zu sitzen, und nach vorne und nach hinten ist es gleichweit und ich keinen Nerv mehr für 2 Stunden Fahrt. Und das alles für ein knappes Wochenende. Und dann sag ich, daß ich jetzt wieder in die Heia, leiden will. Und sie: "Wieso willst Du denn leiden?" - "Weil ich krank bin" - und dann kommt sie mir mit einem Vorschlag, wie es mir besser gehen würde, der ist gar nicht so schlecht, nur haben gerade jetzt die Geschäfte zugemacht. Und plötzlich gefällt mir die Situation, daß es umgekehrt ist, *ggg*, das "Kind" kommt mir mit Vorschlägen, wie ich mein Leben einrichten soll, daß es besser ist und ich bin in der glorreichen Situation, alles abzulehnen. Find ich fantastisch - und ich lass mich voll aus. Und ich erkläre ihr, daß leiden beim Kranksein wichtig ist, sonst könnte man vergessen, daß man krank ist, und dann könnte man ja Sachen tun, die der Krankheit nicht zuträglich sind, zum Beispiel schwimmen gehen trotz Husten und dann würde man noch viel kränker werden. Und sie erzählt mir irgendwas von innerer Einstellung. Und ich erzähl ihr was von wegen esoterischem BlaBla - weil es mir einfach so Spaß macht, den Spieß umzudrehen - und all meine Argumente, die immer bei ihr scheitern, aus ihrem Munde zu hören. Allerdings möchte ich mich nicht als Gegnerin haben, ich bin viel unfärer als sie. Wahrscheinlich hört sie, daß ich eigentlich am Lachen bin, sie ist auf jeden Fall nicht genervt.

Und dann erneuter Anlauf, ich muß jetzt ins Bett. Das mit dem Tee kochen, auch ihr Vorschlag, ist schon gebongt. Jetzt soll ich mir noch Musik anmachen. Da widerspreche ich mal nicht. Und dann soll ich mir noch ein schönes Buch ... - Ich unterbreche sie: "Nein! Dann vergesse ich ja zu leiden" - "DANN SCHREIB DIR EINEN ZETTEL!".

Und ich stelle mir vor, wie auf dem Zettel steht: "Nicht vergessen: leiden" - ich stelle mir vor, wie der Zettel direkt über meinem Kopf pinnt. Ich stelle mir im selben Moment vor, daß ich diesen Zettel ihr ja auch jederzeit anempfehlen kann. Ich stelle mir vor, wie sie einenZettel neben dem Fenster hat, da steht drauf: "Nicht vergessen, vor der Nachprüfung fürchten!" Sie war sehr sehr angetan, weil es das beste Lachen war, daß ich wenigstens seit zehn Jahren gehabt habe - doch was ich daran so witzig finde, kann sie nicht verstehen.

Also, bevor ich mal wieder vergesse, zu leiden, schreib ich mir einfach einen Zettel. Dann muß ich nicht dauernd dran denken. Und jetzt geh ich in die Heia, Tee trinken *ggg*.

 

 

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Monika Fürch alias Oskopia Kaleid, 2002