13.Juni 2002

Methodologischer Solipsismus

Diese Annahme geht davon aus, daß kein psychischer Zustand im eigentlichen Sinne die Existenz irgendeines Individuums voraussetzt außer dem Subjekt, dem dier Zustand zugeschrieben wird. ... Mit dieser Annahme macht man sich natürlich ein restriktives Programm zu eigen: ein Programm, das bewußt den Bereich und den Charakter der Psychologie beschneidet, um geweissen mentalistischen Vorstellungen oder zuweilen auch einer idealistischen Rekonstruktion der Welt nachuukommen. Wie restriktiv dieses Programm ist, bleib jedoch häufig unbemerkt. Zum Beispiel müssen so durch und durch gewähnliche psychische Zustaände wie der, eifersüchtig zu sein, unter der Annahme des methodologischen Solipsismus neu gefaßt werden. Dem üblichen Gebrauche nach folgt aus "x ist auf y eifersüchtig", daß y existiert, und aus "x sit wegen y's Interesse für z eifersüchtig" folgt, daß y und z (8nd natürlich auch x) exisiteren. Eifersüchtig zu sein und wegen jemandes Interesse für jemanden Dritten eifersüchtig zu sein, sind also nicht psychische Zustände, wie sie die Annahme des methodologischen Solipsismus zuläßt. ... Bei der vom methodologischen Solipsismsus erzwungenen Neufassung wäre "Eifersucht" so zu rekonstruieren, daß ich auf meine eigenen Halluzinationen, auf die Produkte meiner Phantasie etc. eifersüchtig sein kann.

so Putnam, in Die Bedeutung von "Bedeutung". Ich zig Tage auf den Text gestarrt wie das Kaninchen. Und jetzt glaub ich, habe ich es: Aus "x ist auf y eifersüchtig" folgt dem üblichen Gebrauche nach tatsächlich, daß y existiert. Allerdings nennt man das im üblichen Gebrauche nicht: "Daraus folgt, daß y existiert" - sondern man nennt das auch irgendwie mit üblichen Worten. Eigentlich folgt das sogar im üblichen Gebrauche gar nicht, sondern wird im üblichen Gebrauche vorrausgesetzt. Ganz egal, was der übliche Gebrauch sagt, logisch folgt aus dieser Äußerung überhaupt nichts. Und, wenn die Übersetzung passt, dann hat Putnam das logische Wort: "folgen aus" fälschlich für einen intentionalen Sachverhalt verwendet. Ich halte Philosophen inzwischen für zutiefst unredlich. Ich werd Politikerin. (warn Witz). Logisch folgt daraus deswegen überhaupt nichts, weil, soweit ich weiß, intentionale Äußerungen keine logischen Äußerungen sind. Sonst müßte ja aus jeder intentionalen Äußerung was über die wirkliche Welt folgen, oder es müßte (harte) Unterscheidungskritien geben, wann aus einer intentionalen Äußerung was über die Welt außerhalb des Kopfes folgt und wann nicht.

Darüber wollt ich aber gar nicht schreiben, ich glaub, die Philosophie neigt sich für mich dem Ende zu. Vielleicht noch die Zwischenprüfung, daß ich die 3 Semester nicht ohne formales Ergebnis verbracht habe - auch wenn sich die Efahrung auch schon gelohnt hat. Zwar interessiert mich das mit der Intentionalität rein inhaltlich auch stark, nicht nur durch Bezug auf mich selbst - es ist ein hübsches logisches Problem.

Schreiben wollt ich über die Eifersucht oder die Liebe und die damit verbundenen Objekte - wenn folgendes zutrifft: "I will conclude that, with the exception of certain very coarse features, the structure of thought/conceptualization is entirely unconscious. "(Ray Jackendoff) - es geht mir nicht um die Frage ob, die sollen andere entscheiden, ich selbst glaube, daß, sondern es geht mir um die logischen und vor allem lebenspraktischen Konsequenzen daraus. Im folgenden laß ich also Konjunktiv oder einschränkende Hinweise weg. Ich tue so, als wäre Denken größtenteils unbewußt und nur der sprachliche Teil wäre bewußt und würde auf dem unbewußt Gedachten ablaufen (und nicht auf Fakten, Tatsachen oder anderen Dingen der Aussenwelt). Ich glaube, bei einem unbewußten Denken, liegt die Idee einer Relation zwischen Repräsentat und Repräsentandum ebenso nahe wie die Idee einer Relation zwischen einem Adressdatensatz in einer Datenbank und einer Wohnung. Also gar nicht mehr nahe.

Liebe oder Eifersucht? Formal, strukturmäßig ist es das gleiche bezüglich der Frage, die mich interessiert. Das Objekt der Begierde oder das Objekt der Eifersucht ist nicht notwendig um zu lieben oder um eifersüchtig zu sein. Man kann völlig grundlos lieben oder völlig grundlos eifersüchtig sein. Es muß einfach gar nichts mit dem wirklichen Objekt zu tun haben. In welcher Beziehung steht das gedachte Objekt dann zu dem (allerzumeist vorhandenen) realen Objekt? Ich glaube, das ist nicht so wichtig. Ich glaube, was wichtig ist, ist, in welcher Beziehung das denkende (reale) Subjekt mit dem anderen (allerzumeist vorhandenen) realem Subjekt steht. Ich glaube, die Beziehung zwischen diesen beiden Subjekten ist zwar nicht vollkommen unbeeinflußt von dem, was die beiden Subjekte denken, doch sie ist ein vollkommen anderer Bereich - der Bereich des Handelns. Dieser ist logisch vollkommen unabhängig von den Gedanken oder Gefühlen, wie Eifersucht oder Liebe. Ich glaube, Liebe oder Eifersucht sind einmal ein Gefühl oder die Gedanken über das Gefühl oder ein Gefühl das von Gedanken genährt wird - und dann gibt es ein gelebtes Miteinander. Ich glaube, Liebe (oder Eifersucht) als geteiltes Gefühl gibt es nicht. Es gibt Geschehnisse - wenn man die ähnlich interpretiert, so daß beide Personen glauben, es wäre Liebe oder Eifersucht, heißt das ja immer noch lange nicht, daß das Geschehen etwas mit den Gefühlen zu tun hat. Selbstverständlich würde anderes Geschehen andere Gefühle bewirken, zumeist immerhin, dennoch ist das bestimmte Geschehen nicht die Ursache für ein bestimmtes Gefühl, einen bestimmten Gedanken. Ich glaube, Gefühle sind Innenzustände. Und ob ich liebe oder eifersüchtig bin, hängt nicht von den Innenzuständen anderer Personen ab und auch nicht von den Handlungen anderer Personen.

Anderer Ansatz: Ich glaube, ob Liebe gelingt oder Eifersucht zerstört hängt einzig und allein von den Handlungen der beteiligten Personen ab - und nicht von dem, was sie denken. Klingt auch nicht richtig. Weil ich ja sofort die Handlungen und Äußerungen der anderen Personen wieder verwende um einen eigenen Innenabgleich vorzunehmen.

Naja, bin ich eben grundlos zu dem Ergebnis gekommen, daß das Handeln das entscheidende ist für ein glückliches, erfülltes Leben - und für befriedigende Beziehungen.

 

 

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Monika Fürch alias Oskopia Kaleid, 2002