10.Mai 2002

Mysthische Zeiger

Mir gefällt sie wie gesagt gar nicht, die gesamte Bedeutung. Und auch ihre Theorien gefallen mir nicht. Keine, die ich bisher gelesen habe.

Es gibt also Extension und Intension. Ich finde auch, so als Laiin, mit Putnam aber in guter Gesellschaft, daß Extension gut genug definiert ist. Intension versteh ich (noch) nicht, doch darum geht es mir grade nicht. Mir geht es um die Extension. Ein Begriff referriert auf etwas. Ich glaube, wir können ohne da mehr reinzuschmuggeln als drin ist, synonym sagen, er zeigt auf etwas. Es gibt eine Relation zwischen Begriff und Extension, die Relation heißt Referrenz.

Def.:Sei R eine Relation auf einer Menge AR heißt
reflexiv           a  A  :    (a, a R
antisymmetrisch           a, b  A  :    (a,b R    (b, a R    a = b
transitiv           a, b, c  A  :    (a, b R  (b, c R    (a, c R
symmetrisch           a, b  A  :    (a, b R    (b, a R
irreflexiv           a  A  :    (a, a R
total           a, b  A  :    ab    (a, b R    (b, a R
   (Quelle: fh flensburg)

Die Relation ist nicht reflexiv. Antisymmetrisch? Macht doch keinen Sinn. Ach so, die haben EINE Menge, wir haben aber zwei disjunkte. Transitiv macht auch keinen Sinn. Symmetrisch auch nicht. Scheint sich nicht um eine Relation zu handeln.

Doch.

Def.:Seien A und B Mengen. Eine Abbildung ist eine Relation f  AB mit den folgenden Eigenschaften (1) und (2). Wegen der Gültigkeit dieser Eigenschaften ist bei Abbildungen folgende Schreibweise üblich:
f : A  B   statt   f  AB     und     f(a) = b   statt   (a, b f
(1)    eindeutig     a, a A :   a = a'      f(a) = f(a')

(von jedem Punkt geht höchstens ein Pfeil aus)
(2)    total definiert     a  A   b  B :   f(a) = b

(von jedem Punkt geht mindestens ein Pfeil aus)
(1) und (2) zusammen ergeben: von jedem Punkt geht genau ein Pfeil aus (die Abbildung ist wohldefiniert). Relationen, die nur (1) erfüllen, werden auch als partielle Abbildungen bezeichnet.
(1) + (2)    Abbildung

(von jedem Punkt geht genau ein Pfeil aus)
Def.:Sei f : A  B eine Abbildung, d.h. f erfüllt (1) und (2). Die Abbildung f heißt injektiv, wenn f die folgende Eigenschaft (3) hat; f heißt surjektiv, wenn f die folgende Eigenschaft (4) hat; f heißt bijektiv, wenn f beide Bedingungen (3) und (4) erfüllt.
(3)    injektiv     a, a A :   aa'    f(a)f(a')

(bei jedem Punkt kommt höchstens ein Pfeil an)
(4)    surjektiv     b  B   a  Af(a) = b

(bei jedem Punkt kommt mindestens ein Pfeil an)
(3) und (4) zusammen ergeben: bei jedem Punkt kommt genau ein Pfeil an (die Abbildung ist bijektiv). Dies bedeutet, dass die inverse Relation f -1 der Abbildung f auch eine Abbildung ist (sogar ebenfalls eine bijektive Abbildung).
(3) + (4)    bijektiv

(bei jedem Punkt kommt genau ein Pfeil an)
  (Gleiche Quelle: fh flensburg)

Aha. Referrenz könnte vielleicht eine Abbildung sein. Also eindeutig und total definiert. Das kann ich eigentlich nicht glauben, daß ein vernünftiger Mensch die Beziehung zwischen Begriff und Extension so definiert. Nein, das glaube ich lieber nicht. Warum nicht? Disjunkte Mengen - einverstanden. Wir gehen davon aus, daß jeder Begriff, der auf einen Begriff referriert, ein Begriff aus einer Metasprache ist (auch wenn er gleich lautet), und daß jede Beziehung zwischen Begriffen auf der gleichen SprachEbene keine Referrenz ist. Eindeutig? Ja, ok - in einem weiten Sinne, wenn man auch Mengen, unscharfe Grenzen und abstrakte Objekte zuläßt. Damit beschäftigt sich wohl Putnam und ich glaube auch Kripke. Total definiert. Soll heißen: Jeder Begriff hat eine Extension, oder unstrittiger: Zu jedem Begriff gibt es eine Extension. Hm, darüber muß ich erst mal nachdenken. Vielleicht könnte ich mich damit auch im weitesten Sinne anfreunden. Bin mir aber nicht ganz sicher. Damit habe ich eigentlich allem zugestimmt. Was mich stört, ist das statische.

Es ist so, als würde der Begriff auf die Extension zeigen. Mich stört die Behauptung, der Begriff referriert auf etwas. Das tut er nicht. Ein Zeiger zeigt auf Etwas. z.B. ein Wegweiser auf eine Waldschenke. Wenn die Waldschenke abgerissen wird, hat sich der Zeiger nicht verändert. Extensionen werden für gewöhnlich nicht abgerissen, es gibt Bedeutungsveränderungen, - vielleicht ist noch nie eine Bedeutung im Sinne einer Extension verschwunden und wir wissen von dem Verschwinden. Vielleicht möchte ich gar wetten, daß es genau das ist, was wir nie wissen können. Gibt es EIN für uns sinnvolles Wort, dessen Bedeutung (Extension im großzügigen Sinne) wir suchen? Das Bild gefällt mir jetzt. Wir haben ein Wort, nennen wir es mal TROW, und TROW, das wissen wir ganz genau, hat eine Extension. Ich hab das Wort nicht erfunden, sondern gefunden :-) . Und jetzt begebe ich mich auf die Suche, nach seiner Extension. Mit was steht das Wort in einer Abbildungsbeziehung. Wie könnte ich das rausfinden - es ist garantiert, daß es ein sinnvolles Wort ist. Dieses Wort TROW bedeutet was und es hat schon immer was bedeutet, seit es Bedeutung und dieses Wort gibt - das ist ca 3000 Jahre her (daß es TROW gibt). TROW hat zwar seine Aussprache und seine Schreibweise verändert, aber sprachentwicklungsgesetzmäßig und nicht wesentlich, vor allem nicht Bedeutungsverändernd. Was damals, zu Aristoteles Zeiten TROW war, ist auch heute TROW. Selbst wenn Aristoteles WUSSTE, was TROW ist und wir es nicht mehr wissen. *seufz* Es hat auch nicht seine Bedeutung verloren. Nein, wie könnte es. Nur wir haben seine Bedeutung verloren.

Abends

Nein, sie reden ja gar nicht von Referrenz. Putnam redet von Extension und Stereotyp. Beides gefällt mir sehr. Und auch was er von Intension sagt, gefällt mir sehr. Jetzt lese ich es zum dritten Mal, doch die Bedeutung habe ich da drin nicht gefunden. Mal sehen.

Noch später.

Die da unten rammeln. Man hört aber nur das Bett. Die sind immer ganz still. Mich hat ja immer genau das Bett gestört, die Töne ausm Mund, dacht ich, die stören die Nachbarn nicht. Als ob sie den Mund mit Heftplaster zugepickt hätten. Mir tät des net gefallen. Das Fieber ist auch vorbei. Und nun, ich weiß gar nichts mehr. Man kann glaub ich sehr leicht verrückt werden. Das hier liest eh keiner, ich hab stille Zähler drin. Bin meine einzige Leserin. Und ich dachte schon - wär schön gewesen. Bloß die Geburtstagsseite, möcht wissen, wen die immer noch interessiert, oder ist es ein robot? Und eines der Gedichte. Das hab ich mal in einem gut besuchtem Forum verlinkt.

Ich lern viel, wenn ich mir Geschichten vorstelle. Ich hab mir vorgestellt, daß das Bewußtsein verschwindet. Katatonie, glaube ich, nennt man das. Also, nicht, daß ich mir das gewünscht hätte oder wünschen tät, die Geschichten haben eine Eigendynamik. Katatonie tut nicht weh, nur vorher, da ist alles so langsam. Und niemand ist da. Und wenn jemand da ist, dann versteht man ihn nicht. Worte schon, einige, ganz langsam und ganz leise gesprochen. Was man aber bis zum Schluß weiß, ist, daß es sozial nicht gut ist, was man tut. Oder wie man ist. Das ist egal. Man tut es nicht. Ich hab keine Ahnung, was das für eine Geschichte ist. So eine Geschichte hatte ich noch nie. Sie ist kein Wunsch. Das weiß ich. Sie ist eine Befürchtung, was passiert, wenn die Bedeutung verschwindet. Jetzt hab ich doch nachgesucht, das, was da in der Geschichte war, das gibts nicht, wenigstens nicht unter den Namen Katatonie oder Stupor. Das ist auch gut so. Das will ich nämlich nicht haben. So hab ich mir das nicht vorgestellt. Also, wenn es so ist, wenn es keine Bedeutung gibt, dann kann ich gut drauf verzichten. Aber ich glaube es nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, was die Welt zusammenhält, wenn es keine Bedeutung gibt. Dabei leben die Tiere alle auch. Kripke hat natürlich schon Referrenz. Und die Linguistik wohl auch.

Was ist das aber für eine Bedeutung, die ich meine im Gegensatz zu der, über die die Philosophen reden? Ich meine ganz bestimmt nicht Extension. Es könnte sein, daß ich das phänomenale Erleben der Bedeutung meine. Ach ja, eine andere Geschichte. Ich spiel nicht mehr mit. Das ist gar nicht so einfach. Und die Wirkung ist fürchterlich. Die Leute werden sehr schnell total unsicher, und dann ziemlich aggressiv oder besorgt, ja nachdem, in welcher Beziehung sie zu mir stehen. Es geht binnen zwei Minuten. Eher kürzer. Das kann ich auch nicht meinen. Das ist so prima nicht - und stell Dir vor, Du machst binnen zwei Minuten alle, die im Raum sind wütend und ängstlich. Im Moment weiß ich nicht, was ich meine. Es ist grad nicht wichtig. Vielleicht hab ichs ja geschafft und gar nicht gemerkt. Was anders hab ich gestern kurz gelesen und jetzt finde ich es nicht mehr. Sie haben die Gehirnaktivitäten von Menschen gemessen, denen sie ein Foto ihres/ihrer Liebsten gezeigt haben. Und konnten sozusagen feststellen, wer flunkerte oder sich was vorstellte. Es war eine ganz kleine Stelle, die Gehirn, die da an ging - und die ist wohl sonst nicht unbedingt an. War leider schon zu müde - und jetzt find ich nur noch das mit Helen Fisher, aber da war was anderes. Oder ich hab die beiden vermischt, und das war nur Gesichtererkennung. Naja, mag nicht mehr schreiben. Morgen kann ich dann wohl wieder arbeiten. Und vielleicht räum ich auch auf. Komisch is das alles.

 

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Monika Fürch alias Oskopia Kaleid, 2002