04.Juli 2002

Manchmal ist die ganze Welt innen

in letzter Zeit. Das ist genauso logisch, oder? Vielleicht sogar logischer.

Wenn ich alleine bin, ist sie oft innen. Und wenn ich Menschen aus der Ferne höre, oder sie mich nichts angehen. Ich habe ziemlich viel Angst vor Menschen, so aus Gewohnheit, auch wenn das normalerweise keiner glauben würde. Dann sind die Menschen nicht innen, dann bin ich eher draußen und ganz weit weg. Die Welt aber, die innen ist, ist keine Gefahr.

Und wenn es entschieden werden müßte, von einer unabhängigen Instanz oder Kommision, ob die Welt außen oder die Welt innen mehr wahr ist ... wenn es wirklich unabhängig meine ich entschieden werden müßte ... wenn die Vorrausetzungen der Aussenweltler nicht aus common sense vorrausgesetzt werden dürften, vielleicht weil es genauso viel Innenwelter gibt wie Aussenwelter, oder weil sie plötzlich fair geworden wären, ich weiß nicht, wer siegen würde, da wage ich keine Wetten abzugeben, doch leicht hätten sie es nicht mit ihren Argumenten, die Aussenwelter.

Die Welt innen hat erst mal einen ganz beachtlichen Vorteil - sie fühlt sich verführerisch gut an! Das kann man natürlich nicht als Argument bringen, denn die Aussenwelter kennen das nicht. Doch sie fühlt sich gewißlich und unzweifelhaft richtig an.

Die Argumente der Aussenwelter sind
- Es gibt uns - es gibt uns in Massen - und allem, was die Evolution hervorgebracht hat, kann man einen evolutionären Nutzen unterstellen. Auch wenn ich das nicht überzeugend formuliert habe, stimme ich dem zu. Das spricht für sie. Nicht zwingend, aber doch. (Evolutionäre Überlegenheit)
- Immer wenn Aussenwelter auf Innenwelter getroffen sind, blieben am Ende nur Aussenwelter übrig. Die Innenweltler waren entweder tot, wurzellos oder konvertiert. Das habe ich zwar nicht nett formuliert, und doch spricht es für sie. Die Innenweltler müßten dazu was sagen können oder dem was entgegensetzen. (Individuelle Überlegenheit)

Alle anderen Argumente der Aussenwelter halte ich für Kokolores. Fällt mir deswegen auch schwer, sie anzubringen.
- Man könne nur in der Aussenwelt verändernd und bestehend agieren, wenn man sie als real und im heutigen Sinne objektiv (an)erkennt. Ist Quatsch. Das bringen sie bestimmt auch nicht so, denn es ist einfach falsch. Die Aussenweltler wie die Innenweltler haben beide eine Welt im Innen, mit der sie Berechnungen anstellen oder in der sie handeln. Die Aussenwelter tun nur so, als wäre das wichtige daran, daß die Welt im Aussen verändert wird. Weil es die gemeinsame, von allen geteilte Welt ist. Und weil es die Welt ist, in der jedeR von uns besteht. Ich !weiß!, daß der Tiger und der Truck AUSSEN ist. Und daß die anderen Menschen außen sind. Und ich !weiß!, daß ihre Existenz unabhängig von mir ist. Und ich !weiß!, daß sie nach Gesetzen funktionieren, die ich verwenden kann, um dem Tiger zu entkommen und den Truck zu fahren und mit den anderen Menschen auszukommen. Und das wäre objektives Wissen ebend weil es unabhängig von irgendeinem Subjekt wahr wäre. Das mal zugestanden, das hat zwar auch ein Loch, aber das mal zugestanden. Doch, ich glaube, genau so sagen sie das. Aber der Tiger und der Truck und die anderen Menschen sind innen. Wenn sie außen sind, bin ich auch nicht da. Das glaube ich verstehen sie nicht, denn sie sind doch da. Das wissen sie ganz genau. Kein Wissen ist da, Wissen ist Berechnung.

Nur noch ein paar Gedankenfetzen, warum die Welt innen ist. (Obwohl sie natürlich aussen ist, das bestreite ich gar nicht, das ist nur so unwesentlich für _mich_ ). Alles, was ich wahrnehme, nehme ich immer innen wahr - und ich berechne es dann dahin, wo es hingehört. Wenn die Welt innen ist, ist die Welt innen groß, die Abstände stimmen auch alle - subjektiv, mehr brauchts ja net.. Das projeziert man dann nur nach Aussen. Ich glaube, das ist irgendeine Dissoziation. Und ich glaube, die hat den gleichen Vorteil wie die psychologische Dissoziation und keinen weiteren. Der Rest sind Erfindungen/Rationalisierungen). (Besser Flugzeuge bauen können und besser Steuererklärungen ausfüllen können usw. )

Und einen Verdacht habe ich auch, warum sie gewonnen haben. Weil Menschen "nett" sind und mitspielen. Weil es eine soziale Konvention ist. Keine Wahrheit. Vor allem naive Menschen (spielen mit). Das kann man aber auch umgekehrt anwenden. Das natürlich ist der Nachteil von den naiven Menschen - sie müßen etwas erst erlebt haben, um es zu verstehen. Oder erzählt bekommen haben, mit Erlebnisgehalt. Kann ein Aussenmensch etwas wirklich besser, was er noch nie erlebt hat? Nö, ne :-) - das bilden die sich nur ein. Sie können sehr wohl einen BMW fahren, wenn sie einen VW fahren können - aber sie können noch lange keinen Elefanten reiten, nur weil sie darüber gelesen haben, wie man Elefanten reitet.

Mir gefällt die Welt innen. Ich muß zwar meine Steuern im Aussen zahlen, doch meine Sorgen drum mach ich mir Innen. Die Welt innen ist voll.

 

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Monika Fürch alias Oskopia Kaleid, 2002