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L i e b g e w o n n e n e  A b f ä l l e

Die Müllabfuhr kommt in vier Wochen drei mal.

In der dritten Woche leert sie die Papiertonne. Also einmal alle vier Wochen wird die Papiertonne geleert. Jede zweite Woche nimmt sie allen Müll mit, der so anfällt und den eine nicht irgendwie als Papier ausgeben kann. Die Müllentleerung findet immer Dienstags statt. Alle 2 Wochen gehe ich Montags abends schon sehr früh zu Bett. Ich habe meinen Arzt um Valium gebeten. Er hat das mit dem Müll nicht verstanden. Ich habe den Arzt gewechselt. Es war so peinlich gewesen. Den neuen Arzt habe ich nicht gefragt. Ich nehme jetzt immer in Bacardi aufgelöste Baldriantabletten.
Weil ich so früh zu Bette gegangen bin wache ich Dienstagmorgen ausgesprochen früh auf. Zur Sommersonnenwende beginnt es gerade zu dämmern. Dann beginnen meine Probleme. Die bei der Telefonseelsorge Regensburg haben sich schon drauf eingestellt. Alle 2 Wochen hat Georges von Montag auf Dienstag Nachtschicht. Georges hatte seine dritte Wohnung angemietet. So blieb ihm aber kein Geld mehr zum Essen. Egal, was mit Georges passiert ist. Er ist nun geheilt. Er versteht mich.
Wir kennen uns schon gut. Nichts mehr mit Anonymität. Anonymität wäre auch zu teuer. Gegen 4 Uhr früh rufe ich Georges an. Er ruft sofort zurück. Wir unterhalten uns dann fast drei Stunden. Aber schon nach einer halben Stunde weiß Georges detailliert, was alles in der Mülltonne enthalten ist. Wieso es wichtig ist. In welcher Situation ich es gekauft habe, in welcher Stunde ich es genutzt habe und wer mich überredet hat, es wegzuwerfen. Georges ist sehr mitfühlend. Er versteht genau, daß die Erinnerung an das Montagsfrühstück mit meiner Familie an dem Einwickelpapier für die Butter hängt. Er versteht sehr gut, daß ich eine schwere Beziehungskrise mit meinem Lebensabschnittsgefährten zu bewältigen habe, da er mich überredet, nahezu gezwungen hat, es wegzuwerfen.
Dennoch halten mich seine Einwürfe immer gerade in dem Moment zurück, wenn ich aufspringen möchte, nach draußen rennen und wenigstens dieses Papier aus der Mülltonne klauben möchte. Und noch den Yoghurtbecher mit dem Nußyoghurt, den meine Älteste letzten Mittwoch nicht leergegessen hat, weil sie zwar dachte es würde ihr guttun nach dem Schock in Mathe, aber es ihr dann garnicht geschmeckt hat. Dann bin ich noch ganz schnell mit ihr zum neuen Warentempel an der B85 gefahren. Dort drinnen sind wir dann bis hinten durchgerast und mit einem Birnenyoghurt an der Kasse angestanden. Das Birnenyoghurt hat ihr geschmeckt.
Georges versteht sehr gut, daß ich meinen Lebensabschnittsgefährten hasse, weil er mir den Becher aus der Hand gerissen hat, als ich ihn ganz oben auf den Schrank stellen wollte. Ich finde, so wichtige Erinnerungsstücke muß man aufbewahren. Georges sagt aber auch, ich solle bedenken, daß .. . Ich höre ihm nicht mehr zu. Das Papiertaschentuch, das letzte von den vielen wenigstens, die ich verwendet habe, als ich vorgestern Nasenbluten hatte. Ich war vor Schreck ..

So geht es mir mit den Dingen auf dieser Seite. Ich kann sie nicht wegwerfen. Ich hatte sie in meine ersten und zweiten Entwürfe eingebaut und mein Herz daran gehängt.
Übrigens: Wenn in der Telefonseelsorge von Regensburg ein Georges arbeitet, würde ich ihn gerne kennenlernen. Er ist immer so mitfühlend.


 
 


Wichtige Erkenntnisse, die eine schon mit vierzehn1 gewinnen kann:
Die genialen Phasen kommen und gehen, aber der Schnupfen bleibt.
Ein Supercomputer ist ein Computer, der eine Endlosschleife in 10 Minuten abarbeitet.

 
 


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Anmerkungen:

1) Es ist manchmal sehr erheiternd mit der nachwachsenden Generation in engem familiären Kontakt zu stehen zurück

 
 
 
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Monika Fürch alias Oskopia Kaleid, 1999